Herbstgutachten 2026: Prognosen für die Bauwirtschaft
(24.09.2026) Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das laufende Jahr ein BIP-Plus von 1,3 %, für 2027 +1,1 % und +0,4 % für 2028. Die am 24. September 2026 veröffentlichte Gemeinschaftsdiagnose hat demnach die im Frühjahr erhobene Prognose für 2026 um 0,7 und für 2027 um 0,2 Prozentpunkte angehoben.
„Bauinvestitionen fassen kaum Tritt”
Die Bauinvestitionen blieben im ersten Halbjahr schwach. Nach dem witterungsbedingten Einbruch im ersten Quartal mit –1,8 % stagnierten diese im zweiten Quartal weitgehend bei 0,1 %. Dabei gab es erhebliche Unterschiede zwischen den Baubranchen. Während sich im öffentlichen Nichtwohnbau, insbesondere im öffentlichen Tiefbau, zwischen April und Juni kräftige Aufholeffekte mit 5,5 % zeigten, waren die Investitionen im Wohn- und im Wirtschaftsbau erneut rückläufig. Zudem hat sich der Preisauftrieb im Baugewerbe verstärkt. So lagen die Baupreise im zweiten Quartal mit +5 % über dem Vorjahresniveau.
Für das zweite Halbjahr zeichnen die Frühindikatoren ein gemischtes Bild. So haben sich die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe deutlich erhöht, wobei der Anstieg im Tiefbau besonders kräftig ausfiel. Insgesamt ist auf Basis der Indikatoren nur eine allmähliche Belebung der Bautätigkeit zu erwarten. Hauptursächlich stehen hohe Baupreise und ungünstige Finanzierungsbedingungen einer Erholung des Wirtschaftszweiges entgegen. Bis Ende 2026 sei lediglich mit einer Stagnation der Bauinvestitionen zu rechnen.
Abwärtstrend im Wohnungsbau gestoppt?
Dass der Abwärtstrend im Wohnungsbau allmählich ausläuft, kann an gestiegenen Baugenehmigungen (1.HJ 2026 um 15,1 % über dem Vorjahresniveau) abgelesen werden. Die Stimmung unter den Wohnbauunternehmen hat sich zuletzt aufgehellt. Einer stärkeren Belebung steht jedoch einiges entgegen. Kaufkraftverluste der privaten Haushalte, kräftig steigende Baupreise und ein höheres Zinsniveau bremsen den Markt, auch die Nachfrage nach Immobilienkrediten sei rückläufig. Wohnungsbauunternehmen klagen über einen Auftragsmangel. So könnten bereits genehmigte Wohnungsbauprojekte teilweise verringert oder gar ganz storniert werden. Die Experten gehen davon aus, dass die Wohnbauinvestitionen im weiteren Jahresverlauf auf niedrigem Niveau stagnieren wird und in den beiden Folgejahren eher verhalten verläuft.
Wirtschaftsbau leidet unter schwacher Konjunktur
Im Jahresverlauf dürften die Investitionen im Wirtschaftsbau aufgrund der schwachen Industriekonjunktur zurückgedrängt werden. Hohen Produktionskosten und der Fachkräftemangel in Deutschland verringern den Bedarf an Fabrikgebäuden und Lagerhallen. Bestehende Standorte könnten häufiger modernisiert oder umgenutzt werden. Durch den strukturellen Wandel entstünden allerdings neue Bauinvestitionsbedarfe. Investitionen in den Ausbau der Energienetze und in Rechenzentren könnten im Prognosezeitraum zu einem moderaten Anstieg beitragen.
An- und Abstieg öffentlicher Bauinvestitionen
Im öffentlichen Bau ist im Prognosezeitraum mit kräftigen Anstiegen zu rechnen. Darauf deuten die Auftragseingänge im Tiefbau hin, dessen Auftragsniveau weiterhin ausgesprochen hoch ist. 2027 dürften die öffentlichen Bauinvestitionen zudem von den Investitionsprogrammen profitieren. Im Jahr 2028 werden Finanzierungsengpässe auf kommunaler Ebene die Investitionstätigkeit wieder begrenzen. Einer stärkeren Ausweitung stehe ebenso die bereits hohe Kapazitätsauslastung im Tiefbau entgegen.
Insgesamt erwarten die Institute für das laufende Jahr einen Rückgang der Bauinvestitionen um 1,2 %, der sich aus dem witterungsbedingten Einbruch zu Jahresbeginn und den weitgehend ausbleibenden Aufholeffekten im weiteren Jahresverlauf ergibt. Für die Jahre 2027 und 2028 ist mit moderaten Anstiegen um 1,4 % bzw. 0,7 % zu rechnen. Die Baupreise dürften auch im weiteren Jahresverlauf noch kräftig steigen, bevor sich die Dynamik ab dem kommenden Jahr wieder leicht abflacht.
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose
Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt. Mitwirkende Herbstgutachten 2026:
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
- ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)
- Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel)
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
- RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
- ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
- Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel)
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
- RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
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