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43 Meter hohes Riesenwandgemälde in Mannheim - auch organisatorisch ein Mammutprojekt

(9.8.2017) Das Gesicht einer alten Dame zieht in Mannheim derzeit viele Blicke auf sich. Seit dem Spätsommer 2016 blickt „Vera“ von einem Hochhaus in der Brandenburger Straße in die Ferne (siehe Google-Maps). Wer von Nord-Osten kommend in die Stadt hineinfährt, dem fällt das eindrucksvolle Porträt unweigerlich ins Auge - immerhin zieht sich das riesige Wandgemälde über 13 Stockwerke. Doch nicht nur die schiere Größe des Murals beeindruckt, sondern auch die Ausdruckskraft eines Gesichts, das unübersehbar vom Leben gezeichnet ist.


alle Fotos © Alexander Krziwanie

Gezeichnete Gesichter als Kontrast zur urbanen Masse

Hinter dem Portrait steckt der Künstler Hendrik Beikirch, der sich mit seinen weltweit zu findenden, überlebensgroßen Porträts einen Namen gemacht hat. Er will Gesichter zeigen, die Geschichten erzählen und so ein Pendant zur anonymen, urbanen Masse bilden: „Irgendwie sind diese Gesichter selbst gezeichnet, zerfurcht und oft auch ermüdet. Jedoch mit einem ihnen innewohnenden Stolz, einer Zuversicht“, erzählt er. „Meine Intention war es, ein Porträt zu schaffen, das einem - eigentlich unbekannt - doch vertraut erscheint.“

Das ursprüngliche Bild von „Vera“ zeichnete Beikirch auf einer Reise durch Sibirien. Im Rahmen des Stadt.Wand.Kunst-Projekts, das die Stadt in eine öffentliche Galerie verwandeln will, brachte er es nun in die Quadratestadt. Der größte Reiz dabei war für ihn, eine Gestaltung zu entwickeln, die mit der besonderen Architektur des Gebäudes harmoniert: Die Fassade des Hochhauses wird durch vertikale Balkonreihen unterteilt: „Ein Porträt so zu platzieren, dass es trotz der Aufteilung in drei Abschnitte funktioniert, war die Hauptschwierigkeit“, so der Künstler - und betont, dass ein Gemälde dieser Größenordnung nur im Team zu realisieren war.

60 Beteiligte, ein halbes Jahr Vorbereitung

Mehr als 60 Beteiligte trugen ihren Teil zu dem Mammutprojekt bei, das über ein halbes Jahr Vorbereitungs- und einen Monat Umsetzungszeit beanspruchte. Die Koordination aller Beteiligten lag bei Projektleiter Sebastian Bader vom Kulturzentrum Alte Feuerwache in Mannheim, das Stadt.Wand.Kunst initiiert hat. Mit dem Projekt hatte er alle Hände voll zu tun: „Ein Wandgemälde in dieser Dimension bringt alleine einen personalen Aufwand mit sich, den wir bei früheren Arbeiten so nicht hatten“, sagt er. „Aber dafür haben wir jetzt nicht nur ein Werk eines echten Graffiti-Urgesteins in Mannheim, sondern unseres Wissens nach auch noch das größte Mural Deutschlands.“

Bevor der Künstler mit seiner Arbeit am Gebäude loslegen konnte, waren einige Vorarbeiten am Gebäude mit seinen 900 m² Blechfassade und 600 m² Betonuntergrund zu treffen. Der verantwortliche Malermeister Sebastian Krippl wandte sich vor Beginn der Arbeiten an Caparol. „Auch wenn es bewährte Aufbauempfehlungen gibt, ist jeder Untergrund individuell zu bewerten“, erzählt Maler- und Lackierermeister Jan Chong-Su Leonhardt. Er nahm für das Projekt eine Untergrundbewertung vor und sprach auf dieser Basis eine Aufbauempfehlung aus.


Zu Beginn der Arbeiten reinigte Krippl gemeinsam mit einigen Mitarbeitern zunächst die Blechfassade und raute die Oberfläche an. Als wässrige Grundierung brachte er Capacryl Haftprimer auf. Es folgten eine Zwischen- und die Schlussbeschichtung mit Caparol Amphibolin, die teils manuell und teils über ein nebelarmes Spritzverfahren aufgebracht wurde. Amphibolin ist auf Untergründen wie der Blechfassade besonders langlebig. Das Produkt ist seit vielen Jahren erprobt und hat sich in verschiedensten Einsatzszenarien - so zum Beispiel auch im Olympiastadion in Peking - bewährt.

Die Betonflächen wurden mit CapaGrund Universal grundiert und ebenfalls zwischen- und schlussbeschichtet mit Amphibolin. Insgesamt kamen bei dem Projekt etwa 120 Liter Haftprimer für die Grundierung der Blechfassade und 550 Liter Amphibolin für die zweifache Fassadenbeschichtung und die Arbeit des Künstlers zum Einsatz.

Hubsteiger von unten, Industriekletterer von oben

Die reine Fläche stellte den Malermeister und seine Kollegen nicht vor große Herausforderungen - wohl aber die Höhe des Gebäudes: Die unteren zwei Drittel des mächtigen Wohnblocks bearbeiteten sie von 30-Meter-Hubsteigern aus. Um das obere Gebäudedrittel kümmerten sich dagegen Industriekletterer, die sich vom Hausdach abseilten. Hochsommerliche Temperaturen von um die 35°C brachten die Verarbeiter zusätzlich ins Schwitzen. Krippel erinnert sich: „Glücklicherweise befindet sich das Wandgemälde auf der nordseitig ausgerichteten Fassade, so dass wir nicht in der prallen Sonne arbeiten mussten. Trotz der Hitze hatten wir so mit Amphibolin keine Probleme mit Ansätzen.“


Spraydose und Farbrolle

Nun war Künstler Hendrik Beikirch an der Reihe. Er hatte zunächst am Computer simuliert, wie die Skizze auf dem Gebäude wirken würde. Und übertrug sie dann - teils mit der Spraydose, teils mit Farbrolle und Amphibolin - frei Hand und in tausendfacher Vergrößerung auf die Fassade. Caparol unterstützte ihn bei der Auswahl des richtigen Farbtons: „Es galt, einen Amphibolin-Ton zu finden, der dem Schwarz aus den verwendeten Spraydosen möglichst nahe kommt“, erklärt Leonhardt. „Um das zu erreichen, haben wir verschiedene Rezepturen ausprobiert und Bemusterungen vorgenommen.“

Die Arbeiten an dem Gebäude blieben nicht unbemerkt. Das monochrome Mural führte zu vielen Diskussionen unter Bewohnern und Nachbarn aus dem Viertel. Von „zum Fürchten“ bis hin zu „ein Meisterwerk“ waren alle Meinungen vertreten. Das Gebäude gehört zum Bestand der Wohnungsbaugesellschaft GBG Mannheim. Sie beteiligt sich am Stadt.Wand.Kunst-Projekt, weil sie nicht nur Raum zum Wohnen bieten, sondern auch für mehr Lebensqualität in Mannheim sorgen möchte, erklärt Christian Franke, der GBG-Bereichsleiter Unternehmenskommunikation.


„Viele Bewohner sind von dem Kunstprojekt überzeugt und stolz darauf, dass wir es an dieser Stelle Mannheims realisieren konnten. Besonders freut uns aber, dass gerade die Menschen, die dem Kunstwerk am Anfang nicht so aufgeschlossen gegenüber standen, sich mit dem Mural arrangiert haben“, resümmiert er. „Das hat damit zu tun, dass sie vor Ort gesehen haben, wie hart die über 60 Beteiligten an der Schaffung des monumentalen Werks gearbeitet haben. Dazu stand der Künstler immer bereit, wenn er gefragt wurde. Das wurde sehr positiv aufgenommen.“

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