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Verbände und Unternehmen äußern sich zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)

(16.05.2026) Das Bundeskabinett hat den Entwurf des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) am 13. Mai 2026 beschlossen. Verbände aus Energiewirtschaft, Handwerk, Planung, Immobilienwirtschaft und Klimaschutz bewerten den Gesetzentwurf unterschiedlich. Während viele Organisationen die stärkere Technologieoffenheit und die Abkehr von der bisherigen 65-Prozent-Regel begrüßen, werden zugleich fehlende Planungssicherheit, unklare Infrastrukturperspektiven und mögliche Kostenrisiken kritisiert. 

Entwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz (BMWSB, BMWE) 

SHK-Handwerk sieht weiter politische Unsicherheit

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) bewertet die geplanten Änderungen grundsätzlich als notwendigen Korrekturschritt, warnt jedoch vor erneuter Verunsicherung im Markt. Michael Hilpert, Präsident des ZVSHK: „Viele Menschen investieren derzeit nicht deshalb nicht, weil sie grundsätzlich gegen Modernisierung wären. Sie investieren nicht, weil sie befürchten, dass die politischen Rahmenbedingungen in zwei oder drei Jahren schon wieder anders aussehen.” Aus Sicht des Verbands werde die „Dauer-Unruhe” zunehmend selbst zum Modernisierungshemmnis. Gleichzeitig fordert der ZVSHK dauerhaft verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie sinkende Stromkosten für die Elektrifizierung des Wärmemarktes.

Foto: Stephan Falk, BAUBILD.COM 

DVGW begrüßt Grüngasquote und Technologieoffenheit

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) bewertet den Kabinettsbeschluss als „wichtigen Fortschritt für die Wärmewende”. Besonders positiv hebt der Verband die geplante Grüngasquote sowie die sogenannte Bio-Treppe hervor. Dazu DVGW-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke: „Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit haben nun Vorrang, ohne den Klimaschutz zu vernachlässigen.”

Kritisch sieht der Verband dagegen die geplante Kostenaufteilung bei Gasheizungen zwischen Mietern und Vermietern, da diese aus Sicht des DVGW die Technologieneutralität beeinträchtige.

IVD-Präsident Dirk Wohltorf (Bild: IVD) 

Immobilienwirtschaft kritisiert Kostenaufteilung

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) sieht im Gesetz zwar mehr Flexibilität für selbstnutzende Eigentümer, kritisiert jedoch die geplante Beteiligung von Vermietern an steigenden Betriebskosten neuer Gasheizungen. IVD-Präsident Dirk Wohltorf: „Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz werden einige Daumenschrauben für Eigentümer gelockert. Bizarr ist aber, dass die Regierung meint, den Mieter vor dem Staat schützen zu müssen, und den Vermieter dafür zahlen zu lassen. Denn CO₂-Kosten, Netzentgelte und Kosten für die Beimischung gehen auf staatliche Vorgaben zurück und werden mittelbar durch das Heizverhalten des Mieters verursacht. Wer Verbrauchskosten vom Verbrauch entkoppelt, konterkariert die mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz angestrebte klimapolitische Intention, mit fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas sparsam umzugehen.”

Kritik aus Nachhaltigkeits- und Umweltverbänden

Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) bewertet das Gesetz dagegen als „fossilen Rückschritt”. Kritisiert werden insbesondere die Abschaffung der 65-Prozent-Regelung, fehlende verbindliche Ausstiegsdaten für fossile Heizungen sowie mögliche Preissteigerungen durch die Bio-Treppe. BNW-Geschäftsführerin Prof. Dr. Katharina Reuter: „Der Entwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz bringt mehr Kosten bei weniger Klarheit.”

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die Beschlüsse scharf. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz spricht von einer „fossilen Rolle rückwärts”. 

Energieberater warnen vor Fehlentscheidungen

Der GIH Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker e.V. fordert, die Pflichtberatung vor dem Einbau fossiler Heizungen beizubehalten. Grundlage ist eine aktuelle Marktuntersuchung unter Energieberatenden. GIH-Geschäftsführer Benjamin Weismann: „Wer heute ohne unabhängige Beratung investiert, läuft Gefahr, sich mit einer neuen fossilen Heizung langfristig hohe Kosten und Abhängigkeiten ins Haus zu holen.” Nach Angaben des Verbands erwarten 95 % der befragten Energieberater steigende Kosten für Öl- und Gasheizungen bis 2045. 

Architekten und Ingenieure fordern klaren Transformationspfad

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) fordert weiterhin ein verbindliches fossiles Enddatum sowie klare Regelungen zu Verfügbarkeit und Nachweisführung klimafreundlicher Brennstoffe. BAK-Präsidentin Andrea Gebhard: „Erlaubt ist nicht automatisch sinnvoll.”

Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (Bild: Laurence Chaperon)  

Auch die Bundesingenieurkammer (BIngK) sieht den Transformationspfad des Gesetzes als unzureichend an und kritisiert fehlende verbindliche Meilensteine für einen klimaneutralen Gebäudebestand.

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure begrüßt den technologieoffenen Ansatz des Gesetzes, sieht jedoch erheblichen Nachbesserungsbedarf bei Infrastrukturplanung und Investitionssicherheit. VDI-Direktor Adrian Willig: „Wer heute investiert, muss wissen, ob die Infrastruktur morgen noch existiert.” Der Verband verweist insbesondere auf mögliche Lock-in-Effekte neuer Gasheizungen bei gleichzeitig geplantem Rückbau kommunaler Gasnetze. Zudem fordert der VDI stabile Rahmenbedingungen für Wärmepumpen sowie den Erhalt von Anforderungen an Gebäudeautomation und Monitoring. 

Energie- und Wärmeplanung stärker verzahnen

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert, Wärmeplanung, Förderpolitik, Gasnetzentwicklung und Fernwärmerecht stärker miteinander zu verzahnen. Die kommunale Wärmeplanung müsse künftig eine zentrale Steuerungsfunktion übernehmen. 

Auch die Thüga AG fordert „Freiheit mit Verbindlichkeit” und kritisiert die geplante Kostenteilung bei Gasheizungen als wettbewerbsverzerrend. 

Geothermiebranche kritisiert Abschaffung der 65-Prozent-Vorgabe

Der Bundesverband Geothermie e.V. (BVG) warnt davor, dass die Abschaffung der bisherigen Vorgabe den Ausbau resilienter, heimischer Wärmeversorgungssysteme bremse. Geschäftsführer Gregor Dilger: „Das sorgt für Verunsicherung und wird das Tempo der Wärmewende bremsen.” Der Verband fordert eine stärkere Fokussierung auf heimische Wärmequellen wie Geothermie.

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