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28 Gebäude erhalten die ersten Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen

(18.1.2009; BAU-Bericht) Lange erwartet, nun ist es da: Das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen. Die vergangenen Monate standen ganz im Zeichen der ersten Erprobung des Systems. An 28 Büro- und Verwaltungsgebäuden wurde das neue Gütesiegel auf Herz und Nieren geprüft: Bewährt sich die Kriterienauswahl, sind die Abläufe handhabbar, liegen die Messlatten für Gold, Silber und Bronze auf der richtigen Höhe? Die beteiligten Bauherren und Planer haben viel Arbeit geleistet, um das Zertifizierungssystem rund zu machen.

Die Protagonisten sind zufrieden: Entstanden sei ein transparentes und praktikables System zur Gebäudebewertung, das seine Stärken in der Planung ausspiele. Der Probelauf zeige, dass sich noch in Planung befindliche Gebäude schlüssig optimieren ließen, etwa hinsichtlich Betriebskosten oder ökologischer Performance.

Am Start für die erste Zertifizierung waren sehr unterschiedliche Objekte ...

  • von privaten und öffentlichen Bauherren in ganz Deutschland,
  • mit Bruttogrundflächen zwischen 600 und 130.000 m²,
  • es waren niedrige Gebäude und Hochhäuser dabei, und auch
  • die Bandbreite von typischen Bürogebäuden bis Hightech war vertreten.

Mit der Verleihung der Gütesiegel geht die Erprobung in die zweite Phase: Die Anregungen aus dem Praxistest werden nun in das Zertifizierungssystem eingearbeitet. Parallel läuft in den nächsten Monaten ein systematischer Kommentierungsprozess in der Bau- und Immobilienbranche. "Wir haben sehr viel Unterstützung von Fachleuten aus allen Disziplinen. Unser System wird immer runder und bekommt seine Stärke gerade durch die Bereitschaft aller Branchen, an einem Strang zu ziehen. Alle sehen Nachhaltigkeit als zentrales Thema an", fasst DGNB Geschäftsführer Christian Donath zusammen.

Dem international erfahrenen Bauingenieur liegt eine angemessene Höhe der Messlatten für das Gütesiegel am Herzen. "Mit dem aktuellen Stand der Technik und einem integralen Planungsansatz ist man bereits nah an einer Auszeichnung. Erforderlich ist nur, frühzeitig die zentralen Ziele des nachhaltigen Bauens im Planungsprozess zu definieren." Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Neben den Pluspunkten von "green buildings" wie geringem Energieverbrauch und niedrigen Emissionen sorgt die so erreichte Qualität des Gebäudes vor allem für höhere Wertstabilität und bessere Marktchancen von Gebäuden - ein Faktor von großer Bedeutung angesichts der aktuellen Turbulenzen in der internationalen Immobilienwirtschaft. "Ein fundiertes und transparentes Qualitätszeichen schafft mehr Sicherheit für Bauherren, Betreiber und Nutzer", so Christian Donath.

Der Fahrplan für die weitere Entwicklung des Systems ist klar abgesteckt. Das auf Basis der Erprobungsphase entwickelte Gütesiegel "Neubau Büro und Verwaltung, Version 2008" wird in den kommenden Monaten überarbeitet und im Laufe des Jahres als aktualisierte Version 2009 auf den Markt gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt können bei der DGNB eingereichte Objekte nach dem jetzt bestehenden System zertifiziert werden.

Ein weiterer Meilenstein für das Gütesiegel Nachhaltiges Bauen ist die Entwicklung neuer Systemvarianten für andere Bauwerkstypen und Bestandsbauten. Der Startschuss für diese Arbeit fällt im Frühjahr 2009. Unter der Federführung der DGNB entstehen dazu weitere Arbeitsgruppen. In die Entwicklung und den Entscheidungsprozess werden wie bisher Experten aus der Praxis einbezogen. Dabei wird darauf geachtet, dass neben architektonischem und technischem Know-how auch immobilienwirtschaftliche und politische Kompetenz einfließt, etwa über Spitzenverbände der Bau- und Immobilienwirtschaft.

Was wäre ein Gütesiegel ohne gut ausgebildete Auditoren. Das Ausbildungsprogramm für die Auditoren wird aktuell von der DGNB entwickelt und ab der zweiten Jahreshälfte deutschlandweit angeboten. Dazu wird mit anerkannten Ausbildungseinrichtungen der Branche kooperiert.

Zu den Highlights der DGNB Aktivitäten soll auch dieses Jahr wieder die Consense zählen. In Zusammenarbeit mit der Messe Stuttgart findet der internationale Kongress mit Fachausstellung für Nachhaltiges Bauen am 23. und 24. Juni 2009 auf der Neuen Messe Stuttgart statt. Hier werden auch die neusten Entwicklungen des Systems vorgestellt sowie weitere zertifizierte Projekte präsentiert - siehe auch Beitrag "Consense-Premiere mit 600 Teilnehmern" vom 22.6.2008.

Erstmals Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen verliehen

Das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen wurde am 12.1.2009 anlässlich der BAU von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und DGNB Präsident Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek erstmals verliehen. "Das ist ein historischer Moment", sagte Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek, Präsident Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, DGNB, anlässlich der Auszeichnung bei der internationalen Leitmesse BAU 2009 in München.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee, DGNB Präsident Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek
DGNB Präsident Prof. Dr.-Ing. Werner Sobek und Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee bei der Verleihung der ersten Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen

Auf Anhieb schafften 16 Gebäude von Hamburg über Frankfurt bis Stuttgart den Sprung aufs Podest und wurden in den Kategorien Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet. Für Gebäude, die sich in Planung befinden, wurden darüber hinaus am 13.1. zwölf Vorzertifikate vergeben. "Das ist Bauen für die Zukunft", fasste Prof. Dr.-Ing. Sobek zusammen: Mit dem Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen stehe ein "System zur Bewertung der Nachhaltigkeit unserer gebauten Umwelt zur Verfügung".

In Fachkreisen war das Deutsche Gütesiegel mit Spannung erwartet worden. Das jetzt vorgestellte neue Verfahren zur Gebäudezertifizierung gilt als System der zweiten Generation, unter anderem weil in die Bewertung sämtliche Aspekte nachhaltigen Bauens einfließen. Dazu gehören ökologische und ökonomische Faktoren, aber auch soziokulturelle und funktionale sowie technische Qualität, Prozessqualität, und Standortqualität.

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