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Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung: Industrieller Wohnungsbau in der DDR


  

(10.5.2022) Aufgrund des hohen Wohnungsbedarfs in der DDR musste innerhalb kürzester Zeit eine stattliche Anzahl an Wohnungen geschaffen werden. Architekten bedienten die politischen Vorgaben zeitgemäß mit Typenprojekten, die sie in der gesamten DDR in Serienfertigung errichteten. Die Serientypen konnten vielfältig variiert werden, und jede Planung war auf Effektivität ausgerichtet. Damit sollte die Wohnungsfrage als soziales Problem gelöst werden.

Die Entwicklung des industriellen Wohnungsbaus ist ein zentraler Teil der DDR-Architekturgeschichte und wird nun in der zweibändigen Publikation „Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung. Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953 bis 1990“ erstmals systematisch dargestellt. Denn obwohl die Alltagskultur der DDR und das Wohnen im Plattenbau seit dem Fall der Mauer bereits aus vielen Winkeln betrachtet wurden, ist eine bautypologische Systematisierung aus architektonischer und baukonstruktiver Sicht bislang noch nicht vorgelegt worden. Auch deshalb werden in den einzelnen Texten die Konstruktion und der Bauprozess - denn der industrielle Wohnungsbau ist primär eine ingenieurwissenschaftliche Disziplin - und weniger die architektursoziologischen Aspekte betrachtet.

Foto © baulinks/AO 

Beginnend im Jahr 1953 mit dem ersten Versuchsbau in Plattenbauweise, werden in übersichtlichen Kapiteln geschichtliche Hintergründe und architektonische Merkmale herausgearbeitet und beschrieben. Der baukulturelle Wert des Wohnungsbaus kommt in den zahlreichen Fassadendekorationen ebenso zum Ausdruck wie in experimentellen Konstruktionsverfahren.

Im zweiten Band befassen sich Autoren mit dem Wohnungsbau der DDR im städtebaulichen Maßstab: mit neuen Städten, komplexen Großsiedlungen und der in den späten Siebzigerjahren beginnenden Erneuerung der Innenstädte.

Die Publikation ist ein Plädoyer für ein besseres Verständnis der ostdeutschen Plattenbaugeschichte. Sie will dazu anregen, den industriellen Wohnungsbau in der DDR nicht nur auf das politische Programm eines sozialistischen Gesellschaftsmodells zu reduzieren. Dreißig Jahre nach dem Ende der DDR gilt es, ihren industriellen Wohnungsbau als einen Beitrag zur Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts anzuerkennen. Denn die DDR war auf dem Gebiet des industriellen Bauens international führend.

Die bibliographischen Angaben zu beiden Bänden:

  • Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Großsiedlung.
    Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953 bis 1990
  • Band 1: Historischer Kontext, Serientypen und bezirkliche Anpassungen
  • Band 2: Neue Städte, Großsiedlungen und Ersatzneubauten
  • April 2022
  • Herausgeber: Philipp Meuser
  • mit Beiträgen von Jörg Blobelt, Jörn Düwel, Wolf-Rüdiger Eisentraut, Florian Heilmeyer, Uta Keil, Mathias Körner, Christoph Liepach, Juliane Richter, Björn Rosen, Oliver Werner, Anselm Weyer.
  • Fotoessay von Maurizio Camagna
  • 210 × 230 mm, 368 Seiten (pro Band),
  • insgesamt 950 Abbildungen, Hardcover mit Schutzumschlag
  • ISBN 978-3-86922-859-4 (Band 1+2)
  • erhältlich u.a. bei Weltbild und Amazon

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