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EU-Projekt SmartFlex: Testbetrieb der individuell gestaltbaren Referenz-Solarfassade abgeschlossen

(2.8.2017) Das EU-geförderte Projekt „SmartFlex Solarfacades“ hat den Testbetrieb seiner Referenz-Solarfassade nach nur 6 Monaten abgeschlossen. Die BIPV-Fassade wurde am Bürogebäude des litauischen Glasherstellers Glassbel als „zweite Haut“ mit unterschiedlichen semitransparenten Solarmodulen installiert:

Glassbel Bürogebäude in Klaipeda, Litauen (Foto © Glassbel) Siehe auch Bild des Bürogebäudes noch ohne „zweite Haut“ aus dem Beitrag „EU-Projekt ,SmartFlex‘: Solarfassaden smart und individuell per Mausklick produzieren“ vom 11.6.2014.

Die PV-Elemente wurden individuell gestaltet, aber industriell gefertigt. Vor allem die besonderen Größen und das Gewicht der Module waren bei der Herstellung eine Herausforderung. Im Rahmen des SmartFlex-Projektes konnte jedoch aufgezeigt werden, dass individuell gestaltete Solarfassaden nicht nur eine ästhetisch, sondern auch ökonomisch interessante Möglichkeit darstellen, um Gebäude-Klimaziele zu erreichen.


Foto ©  PI Berlin (Bild vergrößern)
    

Die 75 Glas-Glas-Module produzieren rund 12,5 MWh Strom jährlich. Die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von über 15 kWpeak wurde im November 2016 auf einer Fläche von insgesamt 600 m² auf der Süd- und Westfassade des Glassbel Bürogebäudes in Klaipeda, Litauen, installiert (siehe Google-Maps). Die Solarfassade bot den Architekten eine Fülle an Gestaltungsmöglichkeiten. Am Referenzgebäude wurden 15 verschiedene Glas-Glas-Modultypen eingesetzt.

„Über bedruckte Modulgläser, verschiedenfarbige Laminationsfolien oder unterschiedlich gefärbte Solarzellen können Solarfassaden fast beliebig gestaltet werden. Die größte Herausforderung bei unserer Solarfassade war die Produktion der sehr großen und schweren Glas-Glas-Module mit bis zu 3,6 Metern Länge und 1,7 Metern Breite“, berichtet Tomas Lenkimas, Leiter der Entwicklungsabteilung von Glassbel. „Das Aufbringen des Fotodrucks auf die Modulgläser war dagegen kein Problem. Auch die Installation der Fassade vor Ort klappte mit einem spezialisierten Fassadenbau-Unternehmen völlig unkompliziert.“

Foto © Glassbel

Testbetrieb bereits nach sechs Monaten abgeschlossen

Zur Ertragsmessung der Referenz-Fassade hat das Photovoltaik-Institut Berlin (PI Berlin), einer der Projektpartner, auf dem Dach des Bürogebäudes eine Wetter- und Messstation eingerichtet und die Modulqualität vor Ort geprüft. „Die PV-Anlage läuft jetzt seit sechs Monaten. Aus unseren bisherigen Monitoringdaten geht hervor, dass der spezifische Ertrag der Anlage bis zu 800 Kilowattstunden pro kWpeak erreichen kann“, berichtet Thomas Weber, Projektleiter am PI Berlin. „Wir konnten durch unsere engmaschigen Untersuchungen in der Phase der Inbetriebnahme einige Verbesserungen vorschlagen, die in Teilen der Anlage zu 25% Ertragssteigerung führten. Das Gelernte hilft uns dabei, die Smart-FLeX Produkte in zukünftigen Projekten weiter zu entwickeln“, so Weber.

Solarfassade kann sich preislich mit anderen Materialien messen

Die Anschaffungskosten einer „second skin“-Solarfassade liegen nach Berechnungen der Projektpartner mit 550 Euro/m² ungefähr auf dem Niveau einer Fassade aus Stein oder Metall, aber deutlich niedriger als bei einer reinen Glasfensterfassade, die bis zu 840 Euro pro Quadratmeter kostet.

„Wir haben während des Projektes sogar noch Potenzial für weitere Kosteneinsparungen identifiziert. Aber bereits die Referenzanlage zeigt, dass individuelle Solarfassaden nicht nur eine ästhetische, sondern auch ökonomisch sinnvolle Alternative zu anderen Fassadenarten darstellen“, berichtet Dr. Juras Ulbikas, Senior Researcher am litauischen Applied Research Institute for Prospective Technologies (ProTech) und Koordinator des SmartFlex Projektes. „Außerdem können mit dem Bau einer Solarfassade gesetzliche Gebäude-Klimaschutzvorgaben erfüllt werden.“

Foto © PI Berlin

Mehrwert für das Gebäudeklima

„Ein unerwarteter, aber für uns Mitarbeiter schöner Nebeneffekt der Solarfassade ist die Kühlung des Gebäudes. Uns ist aufgefallen, dass das Büroklima nun viel angenehmer ist. Die Antireflexionsschicht der zweiten Fassade hält die Wärme ab, gleichzeitig haben wir einen fast ungehinderten Blick nach draußen. Wir können sogar bei Regen lüften, da die Zweitfassade auch Wind und Wetter abhält“, so Tomas Lenkimas.

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