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DUH und A4F fordern sofortiges Abrissmoratorium und dann verpflichtende Abrissgenehmigung


  

(19.12.2022) Jedes Jahr werden zehntausende Gebäude abgerissen und neu gebaut, anstatt sie zu sanieren. Das belastet Klima und Ressourcen und vernichtet in vielen Fällen bezahlbaren Wohnraum. Angesichts der anhaltenden Abrisswut schlagen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Architects4Future (A4F) Alarm: Anhand einer Auswahl von Negativbeispielen drohender und vollzogener Abrisse zeigen sie auf, wie diese klimaschädliche Praxis begünstigt wird.

Verpflichtende Abrissgenehmigung

Gemeinsam mit A4F fordert der Umwelt- und Verbraucherschutzverband von den Bauministerien der Länder, in der Musterbauordnung und den Landesbauordnungen eine verpflichtende Abrissgenehmigung zu verankern, damit Klimaauswirkungen künftig geprüft werden und Gebäude nur abgerissen werden dürfen, wenn Abriss und Neubau tatsächlich ökologischer sind als die Sanierung. Bis dahin fordern die Verbände ein Abrissmoratorium.

„Sanieren, Umbauen, Umnutzen und Erweitern das neue Normal“

DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz konstatiert: „Das bestehende Gebäude ist immer das klimafreundlichste. Durch den derzeit herrschenden Abrisswahn gehen nicht nur wertvolle Ressourcen verloren, auch das Klima wird enorm belastet und dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum beseitigt. Die Bundesregierung schaut dabei tatenlos zu und fördert diese absurde Praxis auch noch. Was wir brauchen, ist ein Paradigmenwechsel hin zum Bauen im Bestand. Sanieren, Umbauen, Umnutzen und Erweitern müssen das neue Normal werden, der Abriss die Ausnahme. Dafür müssen bürokratische und rechtliche Hürden für Umbau und Umnutzung dringend erleichtert und finanzielle Anreize geschaffen werden. Die Bauministerinnen und -minister der Länder müssen jetzt handeln und eine Abrissgenehmigungspflicht für Gebäude in der Musterbauordnung und den Landesbauordnungen verankern. Solange dies nicht geschehen ist, müssen die Abrissbagger stillstehen. Wir brauchen ein sofortiges Abrissmoratorium!“


  

Nach aktuellem Baurecht gibt es in kaum einem Bundesland gesetzliche Vorgaben oder Bedingungen für Abrisse. Eigentümer können nach eigenem Ermessen über Abriss oder Sanierung entscheiden, ohne dass es einer unabhängigen und transparenten Prüfung über Umwelt- und Klimaauswirkungen bedarf. Hinzu kommen nach Ansicht von DUH und A4F falsche finanzielle Anreize für den Neubau statt für Sanierung, Umnutzung und Umbau sowie der in der Öffentlichkeit bestehende Irrglaube, dass etwa Abriss und Neubau ökologischer seien als die Sanierung bestehender Gebäude. Um diese Lücke zu schließen, hat die DUH ein Papier mit den wichtigsten Fakten zu den negativen Effekten von Abriss und Neubau auf Klima, Umwelt und Ressourcen veröffentlicht (PDF-Download).

Michael Wicke, A4F-Koordinator Bauen im Bestand, stellt zudem fest: „Deutschland ist fertig gebaut. Teuer erkauft mit hohen Emissionen und immensem Einsatz von Energie und Ressourcen. Statt vorhandene Strukturen einzureißen und zu ersetzen, müssen wir mit unserem Bestand respektvoll und kreativ umgehen und ihn ökologisch, smart und wertschätzend weiterentwickeln. Bevor es zum Neubau kommt, gilt es alle Potentiale im Bestand zu nutzen: Umbau, Sanierung, Umnutzung, Leerstandsertüchtigung, Aufstockung und Teilausbau. Städte, Kommunen und allen voran der Bund müssen jetzt analysieren, welches Potential in ihrem Bestand steckt und dieses schnellstmöglich heben und effizient weiterschreiben. Dabei gilt es, die erworbenen Kenntnisse transparent als Open Source zu kommunizieren, damit alle am Bau Beteiligten mitmachen können. Um den Wandel zu beschleunigen, haben wir Vorschläge für eine Musterumbauordnung gemacht und den Ministerien der Länder sowie dem Bundesbauministerium vorgelegt. Ohne die Bauwende ist die notwendige Klima- und Ressourcenwende nicht zu schaffen.“

Hintergrund

Allein im Jahr 2021 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 14.090 Gebäude abgerissen - die Dunkelziffer liegt schätzungsweise deutlich höher. Pro Jahr produziert Deutschland pro Kopf rund 2,76 Tonnen Bauschutt - während der Verpackungsabfall bei 227,5 kg pro Person liegt. 10% der gesamten CO₂-Emissionen Deutschlands sollen alleine durch die Herstellung, Errichtung und Entsorgung von Gebäuden und Bauprodukten entstehen. Die DUH wirbt bereits seit längerem für eine Betrachtung des Gebäudes in allen Phasen des Lebenszyklus - Herstellung, Errichtung, Nutzung und Entsorgung - um alle CO₂-Einsparpotentiale des Bau- und Gebäudesektors für das Erreichen der Klimaziele auszuschöpfen.

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