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Isokorb zur Befestigung und thermischen Trennung von Betonfertigteilen

(14.10.2020) Üblicherweise steht nach dem Einsatz einer Kletterschalung erst einmal nur ein Betonskelett; die Fassade kommt meist ganz zum Schluss. Anders lief es bei dem Neubau des Parkhotels Heilbronn (siehe Google-Maps): Die Gesimse und Pilaster aus weißen Betonfertigteilen sind sofort mitverbaut worden - die tragenden und dämmenden Schnittstellen bildeten dabei Isokörbe von Schöck. Der Rohbau konnte so unter anderem ohne Gerüst und in sehr kurzer Zeit errichtet werden.

Fotos © Schöck Bauteile GmbH 

Der Entwurf für das Vier-Sterne-Plus-Hotel von Berthold Architekten BDA, die auch für die Ausführungsplanung verantwortlich waren, entwickelt das Ensemble der Stadthalle „Harmonie“ mit dem Theodor-Heuss-Saal weiter und zitiert dabei die Formensprache der 1960er Jahre. Im Zuge des Hotelneubaus gestaltet die Stadt Heilbronn auch den 1,39 Hektar großen Stadtpark komplett neu und erweitert ihn.

Der zehngeschossige Hotelbaukörper mit 173 Gästezimmern steht zurückgesetzt auf einem eingeschossigen, vollständig verglasten Baukörper, der die Lobby, Tagungsräume, das Hotelrestaurant und die Hausbrauerei aufnimmt. Der Rücksprung der oberen Geschosse schafft Freiräume und somit einen behutsamen Übergang vom öffentlichen Bereich zum privaten Hotelbau. Im Inneren können die Gäste das gesamte Ensemble von der Lobby bis zur Stadthalle auf einer Promenade durchqueren. Der direkte Zugang vom ersten Geschoss zum Dachgarten lässt den Park zu einem Teil des Gebäudes werden.

Fassadenbau ganz ohne Gerüst

Die Fassade ist in horizontale Gesimse und senkrechte Pilaster aus weißem Sichtbeton gegliedert, die die großformatigen Fensterflächen rahmen. „Die Gesimse bestehen aus massiven Betonfertigteilen und übernehmen zugleich die tragende Funktion der Balkonplatten. So konnten wir uns ein weiteres Gewerk sparen und sogar auf ein Baugerüst verzichten. Die Fenster und Geländer haben wir nachträglich von innen eingebaut“, erklärt Bauleiter Mike Vivas vom Ingenieurbüro PSB Vivas aus Hohenfels die Vorgehensweise.

Sieben Tonnen feinster Sichtbeton

Die bis zu sieben Tonnen schweren Gesimsplatten wurden ebenso wie die Pilaster in einem Fertigteilwerk in Ebhausen produziert. Der weiße Farbton ist mit Weißzement und aufhellenden Pigmenten aus Titandioxid hergestellt. Die gewünschte Sichtbetonqualität war eine große Herausforderung für die Schalungsbauer. Sie drehten die Schalungen, in denen sich auch die tragenden Isokörbe von Schöck befinden, um 90°, um den Beton über die Anschlussöffnung einfüllen zu können. Diese Seite ist später nicht mehr sichtbar.

Der Isokorb wurde vor dem Betoniervorgang auf die Länge von 500 mm halbiert und jeweils mit 500 mm Abstand eingebaut. So war ausreichend Platz, um den Beton in die vorhandenen Lücken zu füllen und mit der Rüttelflasche zu verdichten. In einer 7,50 m langen Gesimsplatte liegen so insgesamt vier Meter Isokorb T vom Typ K. Auf der Baustelle kam dann in die Aussparungen das dafür vorgesehene Dämmzwischenstück Isokorb T Typ Z - ein Bauteil, das keine Kräfte überträgt und nur der Dämmung dient.

Die Fertigteile wurden mit einem Vorlauf von vier bis sechs Wochen produziert, damit ein reibungsloser Ablauf auf der Baustelle möglicht war. Pro Geschoss waren das jeweils sieben Lkw vollbeladen mit Betonfertigteilen - insgesamt eine Last von über 1.000 Tonnen. Um die weißen Fertigteile während der Bauphase zu schützen, wurden sie in Vlies eingepackt.

Isokorb: Teil der Wärmedämmung und der Statik

Die Gesimse waren wie Balkone geplant: bei einer Auskragung von 60 cm frei begehbar und mit einem Geländer gesichert. Die thermische Trennung von der Geschossdecke übernimmt Schöcks Isokorb T Typ K. Dieser ist mit einer Dämmkörperdicke von 80 mm und mit dem Drucklager HTE-Compact ausgestattet. Das tragende Wärmedämmelement für frei auskragende Balkone ist gleichzeitig ein Teil der Statik und überträgt negative Momente und positive Querkräfte - siehe auch Beitrag „Optimiertes Isokorb-Programm und Tragstufenkonzept startklar für die EnEV 2014“ vom 24.6.2014.

Bauausführung „just in time“

Das Hotelgebäude gründet auf Betonbohrpfählen und ist in den beiden Untergeschossen und dem Erdgeschoss ein klassischer Stahlbetonbau. Ab dem ersten Obergeschoss wurde auf den Ortbetondecken der jeweiligen Etagen die Raumaufteilung überwiegend mit bewehrten Doppelwand-Elementen ausgeführt, die nach dem Aufrichten mit Ortbeton ausgefüllt wurden.

An der Stirnseite der Innenwände bzw. der Schotten stößt jedoch nicht die Außenwand an, sondern die senkrecht stehenden Pilaster. Die im Grundriss 57 x 42 cm starken Fertigteile stehen auf den querliegenden Gesimsen und sind mit Sonderanfertigungen aus V4A-Stahl an den vertikalen Bauelementen befestigt.

Mit einem Kran wurden die querliegenden Gesimse mit dem eingebauten Isokorb über die Pilaster gelegt und durch eine Deckentisch-Sonderkonstruktion provisorisch abgestützt. So konnten die Elemente millimetergenau ausgerichtet und gemeinsam mit der Elementdecke betoniert werden:

Die Gesimselemente waren nach dem Aushärten des Aufbetons durch die Bewehrungsstäbe des Isokorb T Typ K kraftschlüssig mit der Decke verbunden. Nach circa zwei Wochen konnte mit der darauffolgenden Etage begonnen werden - alles ohne Gerüst. Mit dem Rohbau war also auch direkt die Fassade fertig. Diese Vorgehensweise wiederholte sich bis zur neunten Etage, da sich in diesem Bereich die regulären Hotelzimmer befinden. Im zehnten Obergeschoss weicht das Fassadenbild aufgrund der unterschiedlichen Raumhöhen für die Konferenzräume ab.

Bautafel:

Weitere Informationen zu den Isokörben T Typ K und Typ Z können per E-Mail an Schöck angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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