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Fassadenbegrünung mit Pflanzenmix auf der Nordseite des Büroneubaus OWP12 von Drees & Sommer

(2.5.2022) Sind nicht nur Dächer, sondern auch Fassaden begrünt, wirkt sich das positiv auf das lokale Stadtklima sowie die Artenvielfalt aus: Pflanzenwände kühlen die Luft ab, filtern Schadstoffe und dämmen Lärm, Insekten siedeln sich an, und die Immobilie selbst heizt sich weniger auf. Ein weiteres Plus: Das Grün schafft eine Wohlfühlatmosphäre. Wie eine bepflanzte Fassade sogar an der Nordseite eines Gebäudes funktioniert, zeigt das auf Bau und Immobilien spezialisierte Planungs- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE am Büroneubau OWP12 für den Eigenbedarf (siehe auch Google-Maps).

Fotos / Bilder © Drees & Sommer SE 

Auf einer Fläche von mehr als 100 m² erstreckt sich die Grünfassade am Büroneubau in Stuttgart-Vaihingen über drei Geschosse mit einer Höhe von 12 m. „In vielen Städten, und so auch in Stuttgart, wird die Fassadenbegrünung künftig in Bebauungsplänen festgeschrieben. Wir wollen mit unserem Neubau nicht nur mit gutem Beispiel vorangehen, sondern auch mitwirken, die notwendigen Umsetzungsgrundlagen zu entwickeln. Dafür testen wir am eigenen Gebäude, was hierfür zentral ist“, erklärt OWP12-Projektleiter Thomas Berner von Drees & Sommer.

Hohe Brandschutzauflagen beim Hochhausbau beachten

Drees & Sommer setzt bei seiner Fassadenbegrünung auf ein wandgebundenes Vlies-Substrat-System aus zu über 95% mineralischen Stoffen. „Die Pflanzen wachsen in einem Behältnis mit Substrat, das direkt an die Fassade angebracht wird. Vlies als Material ist wichtig, um im Hochhausbau den strengen Brandschutzanforderungen zu genügen. Wir haben daher ein Spezialvlies aus einem Basalt-Glas-Gemisch eingesetzt, das die Eigenschaft nicht brennbar aufweist. Die von uns eingesetzten Paneelen lassen sich außerdem gut vor fertige Fassaden setzen und sind vergleichsweise leicht“, erläutert Herr Berner.

Kilian Lingen, Diplom-Biologe der Firma Vertiko, die das Grünkonzept für die neue Büro-Fassade begleitet, ergänzt: „Bis auf die Pflanzen und das Tropfrohr besteht das bei Drees & Sommer eingesetzte System aus nicht brennbaren Baustoffen. Im Jahr 2020 haben wir es bei Vertiko getestet und einen entsprechenden Großbrandversuch durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass das System durch seinen Wasseranteil die Fassade kühlt. So bleiben die Temperaturen im Hinterlüftungsraum weit unter den Werten, die bei einer reinen Metallfassade erreicht werden.“

Mit Hilfe eines Pflanzplans wurde ein Gesamtbild entwickelt, das nach der Anwachsphase im Jahresverlauf immer lebendig und dynamisch wirkt. 

Pflanzenmix sorgt für abwechslungsreiches Bild

Statt einer eintönigen grünen Fläche soll sich an der Fassade der OWP12 nach der Anwachsphase ein lebendiges und dynamisches Bild über das Jahr hinweg ergeben. „Gemeinsam mit Drees & Sommer haben wir für das Gebäude OWP 12 einen Pflanzplan erarbeitet, der elf verschiedenen Pflanzen und sechs verschiedene Farben enthält. Rein sommergrüne Pflanzen, immergrüne Pflanzen und die Blühphänologie sorgen für ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild“, so Herr Lingen. Zu den verschiedenen Arten gehören beispielsweise der China-Wald-Geißbart, die Bergenie Oeschberg mit schöner Herbstfärbung oder das Purpurglöckchen namens Heuchera Villosa.

Ausreichend Sonne und genügend Wasser

Obwohl es sich bei der Wand des OWP12-Bürobaus um eine Nordfassade handelt, sei die Sorge, dass die Pflanzen zu wenig Sonne abbekommen, unbegründet. „Notwendig ist eine bestimmte Menge an photosynthetisch aktiver Strahlung. Diese variiert je nach Pflanzenart und liegt bei der richtigen Pflanzwahl auch im Norden ausreichend vor. Wichtig ist jedoch die Möglichkeit, Wasser zuzuführen, wenn nicht ausreichend Regen zur Verfügung steht“, betont Herr Lingen.


  

Bewässert wird die Grünfassade der OWP 12 mit Regenwasser, das in drei Zisternen auf dem Gebäudedach gesammelt und über ein Freispiegelgefälle verteilt wird. „Für außerordentliche Heißperioden ist ein Nachspeisesystem aus dem Frischwassersystem berücksichtigt, das automatisch gesteuert wird“, so Drees & Sommer-Projektleiter Thomas Berner.

Kosten mittlerweile beherrschbar

Wird die Begrünung gut gemacht, dann erfährt eine Immobilie laut Thomas Berner künftig sehr wahrscheinlich eine stetige Wertsteigerung, die aber pauschal schwer zu beziffern ist. Auch die Kosten selbst sprechen seiner Ansicht nach nicht mehr dagegen, eine Grünfassade zu realisieren. „Wenn man die Kosten aufschlüsselt in Unterbau inklusive Dämmung, Bepflanzung und notwendige Technik wie automatische Bewässerung und Regenwasserspeicherung, so liegen wir für ...

  • die Bepflanzung bei 150 Euro/m² und für
  • die Technik bei rund 100 Euro/m².

Die Kosten der Unterkonstruktion betragen abhängig vom Aufbau und der notwendigen Dämmung 300 bis 500 Euro/m². Die Kosten werden also kein entscheidendes Gegenargument mehr sein.“

OWP12: Als Plusenergiehaus konzipiert

Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an der Südfassade, eine neu entwickelte, hochdämmende Fassadenkonstruktion (siehe Beitrag zur multifunktionalen Elementfassade e-coFACE vom 22.6.2021), Erdwärme über Geothermie-Bohrungen sowie die begrünte Nordfassade: Wenn Drees & Sommer die neuen Büros in Stuttgart-Vaihingen bezieht, werden die Mitarbeiter in einem Gebäude nach Plusenergie-Standard arbeiten, das mehr Energie erzeugt als im Betrieb verbraucht wird und das so weit wie möglich der Cradle to Cradle-Forderung nach Kreislauffähigkeit entsprechen wird. Damit wird es allen zukünftig erwartbaren Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit gerecht. Und das trifft auch hinsichtlich der Modularisierung und Digitalisierung zu.

22 Millionen Euro betragen die Kosten für das vierstöckige Gebäude, das auf einer Bruttogrundfläche (BGF) von rund 7.000 m² einen großen Konferenzbereich, Bereiche für die Mitarbeiter wie eine Terrasse, eine Cafeteria und eine Kantine im Erdgeschoss bietet.

Weitere Informationen zur mehrgeschossigen Fassadenbegrünung können per E-Mail an Drees & Sommer bzw. per E-Mail an Vertiko angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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