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Regional aufgestellte Ziegelindustrie rechnet mit Standortvorteilen in der Corona-Krise

(6.4.2020) Nach einem wirtschaftlich guten ersten Quartal 2020 sieht sich die deutsche Ziegelindustrie zunehmend mit Auswirkungen der Corona-Pandemie konfrontiert. Quer durch alle Regionen und Produktbereiche wird ein deutlicher Produktionsrückgang im zweiten Quartal erwartet. Hauptursache sind zunächst geschlossene Baustellen im europäischen Ausland.

Das Präsidium des Bundesverbands v.l.: Hans Helmut Jacobi, Johannes Edmüller, Stefan Jungk und Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs (Foto © Annett Fischer / ZI) 

Die Ziegelhersteller sehen sich grundsätzlich gut gerüstet, um die Krise zu bewälti­gen - zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie. Alle Vorkehrungen seien getroffen, um Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen und um Produktion inklusive Logistik fortzuführen. Dazu zählen laut Verband ...

  • Pandemie-Pläne,
  • verstärkte Hygienemaßnahmen,
  • getrennte Schichten und
  • Arbeitsplätze im Home-Office sowie
  • bei einzelnen Firmen die Vorbereitung für Produktionskürzungen und Kurzarbeit.

Verbandspräsident Stefan Jungk (JUWÖ Poroton-Werke) sieht in der Regionalität der Ziegelbranche einen besonderen Standortvorteil: „Rohstoffe, Produktion und Baustellen liegen nah beieinander. Dabei dominieren nicht die ganz großen Baustellen, sondern viele kleinere bis mittlere, auf denen unsere Produkte verarbeitet werden. Hygiene- und Abstandsregeln sind dort besonders gut einzuhalten. Kurze Wege verringern nicht nur das Ansteckungsrisiko. Wir bleiben für unsere Kunden lieferfähig. Und im Gegensatz zu anderen Branchen sind wir im Wesentlichen unabhängig von internationalen Warenströmen. Nach einem soliden ersten Quartal rechnen wir jedoch in den kommenden Monaten mit einem verzögerten Umsatzrückgang. In welchem Ausmaß das sein und welche Folgen das für die Baubranche insgesamt haben wird, hängt von der Dauer der Krise ab.“

Foto © Röben Tonbaustoffe GmbH 

Vizepräsident Hans Helmut Jacobi (Jacobi Walter Dachziegelwerke) konstatiert für die Dachziegler einen bislang bundesweit robusten Sanierungsmarkt: „Unsere Partner sind die Verarbeiter. Solange die Dachdeckerbetriebe arbeitsfähig sind, könnten wir als Industrie mit einem blauen Auge davonkommen. Produktionstechnisch Sorge bereitet uns, dass Zusatzstoffe aus dem Ausland, etwa für Glasuren, teilweise nicht mehr lieferbar sind. Außerdem werden Verpackungsmaterialien und vor allem Paletten knapp, weil die Kreislaufwirtschaft nicht mehr reibungslos funktioniert. Hilfe zur Selbsthilfe suchten wir auch in der Region, indem uns Brauereien Desinfektionsmittel und örtliche Schneidereien Atemmasken zur Verfügung stellen.“

Kaum noch Bautätigkeit in Österreich und Italien

Die traditionell starke bayerische Ziegelindustrie sieht sich im Inland dank der hauptsächlich regional geprägten Wertschöpfungskette trotz der Pandemie gefestigt. Lediglich im Export gebe es deutliche Einschränkungen, kommentiert Vizepräsident Johannes Edmüller (Schlagmann Poroton): „Klassische Absatzregionen wie Tschechien, Österreich und vor allem Norditalien sind spürbar zurückgegangen. Regional ist die Situation beherrschbar, so lange die Baustellen offen bleiben. Die zunehmenden Baustellenschließungen im westeuropäischen Binnenmarkt hingegen treffen die Ziegelindustrie stark.“

Foto © Lebensraum Ziegel / Christoph Große 

„Bisher agiert die Bundesregierung mit Augenmaß. Schutzschirm und Kurzarbeitergeld können helfen, die Krise zu meistern. Jetzt gilt es, schnellstmöglich einen Rückgang der Infektionsraten herbeizuführen, damit zumindest stufenweise eine Rückkehr in die Normalität vorbereitet werden kann. Weil die regional organisierte Bauwirtschaft traditionell Konjunkturlokomotive nach Krisen ist, bleibt es auch für die Industrie essenziell, die Baustellen offen zu halten“, resümiert Präsident Stefan Jungk.

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