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Österreich: Arbeitslosenzahlen am Bau übertreffen die schlimmsten Befürchtungen

(7.6.2001) "Die Konsequenzen der Politik des Sparens um jeden Preis der blau-schwarzen Bundesregierung haben jetzt vor allem die Bauarbeiter zu tragen", kritisiert der Bundesvorsitzende der österreichischen Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB-Vizepräsident Johann Driemer. Driemer weiter: "Unsere Warnungen wurden in den Wind geschlagen - jetzt sind, obwohl die Bausaison längst begonnen hat, 13.400 Bauarbeiter arbeitslos, das sind etwa so viele Menschen, wie Bludenz Einwohner hat."

Seit Monaten hat die Gewerkschaft Bau-Holz gemeinsam mit der Bauwirtschaft auf die dramatischen Folgen der Rücknahmen der Investitionen in die Infrastruktur durch die öffentliche Hand hingewiesen. Driemer: "Trotz aller Warnungen hat die Bundesregierung ihre Politik des Sparens um jeden Preis fortgesetzt und wichtige baureife Projekte auf die lange Bank geschoben. In den Ohren der Bauarbeiter klingt es wie Hohn, wenn in einer solchen Situation dauernd von Vollbeschäftigung gesprochen wird. Wenn nun sogar Bundeskanzler Schüssel die dramatische Situation erkennt und eine Qualifizierungsoffensive statt weiterer Zuwanderung fordert, dann erwarten wir, dass auch der von der Gewerkschaft Bau-Holz vorgelegte Entwurf eines Struktur- und Arbeitsmarktfonds für Bauarbeiter endlich umgesetzt wird."

Die tiefgreifenden Veränderungen der Betriebsgrößen, der Auftragsstrukturen, der Anforderungen an die Qualifikation und die nicht kontinuierliche Beschäftigung in der Bauwirtschaft erfordern die Schaffung von neuen Instrumentarien für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Bauwirtschaft. Der Struktur- und Arbeitsmarktfonds ist ein solcher neuer Ansatz. Seine Aufgaben:

  • Qualifikations- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Reintegration
  • Verhinderung von Langzeitarbeitslosigkeit
  • Schaffung eines engeren Bauarbeitsmarktes und zielgerichtete Arbeitsvermittlung

"Die zweite Säule gegen den Fachkräftemangel ist eine fundierte und umfassende Lehrlingsausbildung", so Driemer weiter, "Die Bauwirtschaft ist in der Frage der Lehrlingsausbildung mit gutem Beispiel vorangegangen. Mit überbetrieblich finanzierten Ausbildungseinrichtungen sichert sie nicht nur die Qualität der Ausbildung, sondern zeigt auch den anderen Branchen eindrucksvoll, wie moderne Lehrlingsausbildung funktionieren kann."

Die von den Baubranchen eingerichteten "Lehrbauhöfe" könnten nach Meinung der Gewerkschaft Bau-Holz aufgrund des geringen Aufwandes und des hohen Nutzens ebenso wie der Struktur- und Arbeitsmarktfonds in einer Qualifizierungsoffensive wichtiger Träger sein und auch in anderen Bereichen als Vorbild dienen.

Verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik darf den wichtigen Faktor Bauwirtschaft für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht außer acht lassen. Investitionen in die Bauwirtschaft erzielen im gesamtwirtschaftlichen Vergleich die höchsten Multiplikatorwirkungen. Mit der Durchführung eines Wohnbauauftrages in der Höhe von 1 Milliarde Schilling wird eine zusätzliche Produktion von insgesamt 1,51 Milliarden Schilling in der österreichischen Wirtschaft bewirkt.

Driemer abschließend: "Es reicht nicht aus, eine Qualifizierungsoffensive anzukündigen, was die arbeitslosen Bauarbeiter brauchen, sind rasche Maßnahmen zur Weiterbildung und die sofortige Freigabe der blockierten Infrastrukturinvestitionen."

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