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Baustoff-Fachhandel zeigt sich für 2009 zuversichtlich

(19.1.2009; BAU-Bericht) Die deutschen Baustoff-Fachhändler durften sich 2008 über ein leichtes Umsatzplus freuen. Wie die Blitzumfrage unter den Mitgliedsfirmen des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V. (BDB), Berlin, zu Jahresbeginn zeigt, erzielten die bundesweit 933 Unternehmen an den insgesamt 2.203 Betriebsstätten 1,55 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Das Wachstum ist vorrangig auf ein besseres Geschäft mit gewerblichen Kunden im Bereich der energetischen Modernisierung zurückzuführen. Die Stimmung in der Branche zeigt sich trotz der konjunkturellen Herausforderungen und des weiter rückläufigen Wohnungsneubaus stabil. Für 2009 rechnet immerhin jeder zweite Baustoff-Fachhändler mit einer zufrieden stellenden bis guten Entwicklung seines Unternehmens, 22 Prozent bezeichnen die Entwicklung noch als ausreichend, 28 Prozent als unbefriedigend. Die Einschätzung ist im Vergleich zur letzten Umfrage Mitte 2008 nahezu unverändert.

BDB-Präsident Stefan Thurn, Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V.Der Umsatz mit privaten Kunden ging leicht um 2,28 Prozent zurück, bedingt durch den weiteren Einbruch im Eigenheimbau. Das Geschäft mit gewerblichen Kunden zog dagegen um 2,5 Prozent an. "Der Bereich der energetischen Modernisierung, in dem die Produkte und Systemlösungen der Hersteller überwiegend von unseren Profikunden gekauft und verarbeitet werden, wächst stetig weiter", erläutert BDB-Präsident Stefan Thurn die Umfrageergebnisse. "Positiv wirkt sich jetzt aus, dass wir uns sehr frühzeitig auf den Modernisierungsmarkt vorbereitet und die hierfür zwingend erforderliche Beratungskompetenz aufgebaut haben."

Stabile Beschäftigungszahlen

Traditionell positiv sind die Daten, die den Arbeitsmarkt betreffen. Die Zahl der Beschäftigten wie auch die der Auszubildenden blieb 2008 stabil, die Ausbildungsquote liegt mit acht Prozent überdurchschnittlich hoch. "Unsere Mitgliedsfirmen benötigen speziell qualifizierte Fachkräfte, die ganzheitlich und gewerkeübergreifend zu Produkten beraten können - den Privatmann ebenso wie die Fachhandwerker oder Architekten", erläutert Thurn.

Konjunkturmotor Wohnungsbau starten

Der Wohnungsbau könnte eine der Schlüsselbranchen im Kampf gegen die Rezession sein, doch sein Abwärtstrend dauert unvermindert an. Von Januar bis September 2008 wurden noch knapp 133.000 Wohnungen genehmigt, das lässt für das Gesamtjahr rund 178.000 Baugenehmigungen erwarten. "Der Rückgang erscheint moderat gegenüber den Vergleichswerten 2007 mit 136.000 beziehungsweise 182.300 Genehmigungen. Das zeigt aber nur, wie schnell man sich offenbar an neue Dimensionen gewöhnt: Immerhin wurde 2006 noch der Bau von 247.500 Wohnungen genehmigt", so Thurn. Bei den Baufertigstellungen ist mit deutlich unter 200.000 Einheiten zu rechnen. Benötigt werden aber nach einhelliger Expertenmeinung mindestens 300.000 Einheiten pro Jahr. "Wir bauen seit Jahren kontinuierlich um bis zu 50 Prozent unter dem Bedarf. Dass sich das irgendwann rächen muss, ist offensichtlich. Wohnungsknappheit und spürbare Preissteigerungen bei Mieten wie Kaufpreisen sind in den Ballungsgebieten schon heute Realität", warnt Thurn. "Wir fordern die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau deutlich zu verbessern. Das stützt nicht nur maßgeblich die Konjunktur, sondern geht auch die Herausforderungen von morgen an: den Klimawandel und die Alterung unserer Gesellschaft." (siehe auch Beitrag: "IVD warnt: In westdeutschen Städten werden Wohnungen knapp" vom 7.12.2008)

Wohnungsbedarf in Deutschland bis zum Jahr 2025
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Förderung für Gebäudesanierungen deutlich aufstocken

"Die beschlossene Aufstockung des CO₂-Gebäudesanierungsprogramms hat besondere Bedeutung für unsere Branche", so Thurn. 2009 bis 2011 sollen drei Milliarden Euro bereitgestellt werden. "Ein Schritt in die richtige Richtung, gewünscht hätten wir uns aber ein langfristiges Konzept und damit mehr Planungssicherheit für unsere Mitgliedsfirmen", kritisiert er. Tatsache sei, dass die aktuelle Sanierungsquote viel zu niedrig sei. "Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann haben wir erst in 185 Jahren unseren Gebäudestand energetisch saniert." Die Politik sollte die Dimension dieses Problems nicht verkennen: Mehr als drei Viertel des Wohngebäudebestandes erfüllen die aktuellen Ansprüche an Energieeffizienz nicht. Es wird weit mehr Heizöl oder Gas verbraucht und damit auch CO₂ produziert, als eigentlich nötig wäre. Das Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung hängt ganz entscheidend von der Entwicklung im Gebäudebestand ab - siehe auch Beitrag "Ausweitung der KfW-Programme für Energieeffizientes Bauen und Sanieren" vom 22.12.2008.

Zukunftsaufgaben im Wohnungsbau angehen

"Weitere Bauaufgaben der kommenden Jahre resultieren aus dem demografischen Wandel, der von den Politikern ebenfalls noch nicht ernst genug genommen wird", findet Thurn. "Bis 2020 wächst die Zahl der Haushalte in Deutschland um eine Million - angesichts sinkender Wohnungsbautätigkeit stellt sich die Frage, wo diese Menschen wohnen sollen." Bis zum Jahr 2025 sind knapp 55 Prozent aller Haushalte Ein-Personen-Haushalte, zudem nimmt die Zahl der über 80-Jährigen um 70 Prozent zu. Das Wohnungsangebot entspricht diesem künftigen Bedarf immer weniger:

  • Falsche Grundrisse,
  • vorsintflutliche Sanitärausstattungen,
  • mangelhafte Bausubstanz,
  • fehlende Aufzugsanlagen

.... vieles, was im Mangel der Nachkriegsjahre erbaut wurde, um ein Dach über dem Kopf zu haben, ist aus heutiger Sicht weder funktionell noch zukunftssicher. "Das gilt auch für die Hochhauskomplexe aus den 60er- und 70er-Jahren", ergänzt Thurn. Bedarfsgerecht bedeutet dagegen: Barrierefreies Wohnen in entsprechenden Grundrissen, am besten mit Liftanlage im Haus. Thurn fordert: "Die Politik muss hier endlich die Weichen durch eine gezielte, der riesigen Bauaufgabe angemessenen Förderung stellen." Die Handlungsfelder der Zukunft liegen in der Schaffung von bezahlbaren, barrierefreien und energiesparenden Wohnungen. In vielen Fällen ist dabei Bestandsersatz, sprich Abriss und Neubau, wirtschaftlich sinnvoller als eine nur mäßig erfolgreiche Komplettsanierung. Neubau und nachhaltiger Wohnungsbau dürfen nicht länger vernachlässigt werden.

Baustoff-Fachhandel will mit Fachwissen punkten

"Zugleich sehen wir als Branche natürlich in der energetischen Modernisierung des Gebäudebestandes eine Chance für die Zukunft. Modernisierungen sind deutlich komplexer als Neubauten, hierzu bedarf es qualifizierter Mitarbeiter, die ganzheitlich beraten können. Hier geht es um Fachwissen über die Auswirkungen einer Maßnahme auf angrenzende Gewerke. Genau dafür ist der Baustoff-Fachhandel prädestiniert. Hier werden wir weiterhin kräftig investieren, um uns noch deutlicher bei allen potenziellen Kunden zu profilieren", sagt Thurn. Über 1.400 Mitarbeiter wurden bislang zu "Energie-Fachberatern im Baustoff-Fachhandel" weitergebildet und in einer bislang einzigartigen Brancheninitiative kooperieren dabei Genossenschaften und Konzerne im Baustoff-Fachhandel gemeinsam mit inzwischen 40 Herstellern und Dienstleistern.

Zuversicht für 2009

"Unser Fazit für 2008 lautet: Wir haben ein leichtes Plus in einem schwierigen Jahr erzielt. Die Erträge waren sicher nicht berauschend, allerdings muss man dies vor dem Hintergrund der seit Herbst grassierenden Finanzmarktkrise mit ihren Auswirkungen auf die Realwirtschaft betrachten. Wir stehen also nicht schlecht da und gehen mit einer gewissen Zuversicht ins neue Jahr", resümiert Thurn. "Unsere überwiegend mittelständisch geprägte Branche zeichnet sich durch Marktnähe sowie durch Flexibilität und Schnelligkeit bezüglich notwendiger Korrekturen aus. Wir haben uns der Verschiebung weg vom Neu- hin zum Bestandsbau frühzeitig angepasst und werden auch neue Herausforderungen aktiv angehen. Der Baustoff-Fachhandel ist für die kommenden großen Bauaufgaben, insbesondere in den Bereichen energetische Modernisierung und altersgerechtes Wohnen, gut gerüstet", so Thurn abschließend.

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