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2021 und 2022 aus Sicht von Bauindustrie und Baugewerbe

(17.12.2021) Die beiden Spitzenverbände der Bauwirtschaft, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), haben am 15.12.im Rahmen einer gemeinsamen, digital stattgefundenen Pressekonferenz Bilanz gezogen und auch nach vorn geblickt. Die Quintessenz:

  • Die Bauwirtschaft rechnet für 2021 mit einem Umsatz im Bauhauptgewerbe von 143,5 Mrd. Euro - nach 143 Mrd. Euro im Vorjahr (+0,5%)
  • Die hohen Auftragsbestände lassen Raum für eine Umsatzsteigerung auf 151 Mrd. Euro 2022 - was einer Steigerung um nominal 5,5% entspricht
  • Bei einer veranschlagten Preisentwicklung für Bauleistungen von jahresdurchschnittlich 4% bedeutet das einen realen Zuwachs von 1,5%.
  • Bei den Beschäftigten erwartet die Branche einen weiteren Aufbau um 10.000 auf 915.000 Beschäftigte.

Die Präsidenten der beiden Verbände, Peter Hübner (HDB) und Reinhard Quast (ZDB), gingen im Rahmen der Pressekonferenz auf verschiedene Aspekte der Baubranche ein und bezogen Stellung zu den Ankündigungen der neuen Bundesregierung.

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Reinhard Quast sagte u.a.: „Der Wohnungsbau bleibt auch in den ‚Corona-Jahren‘ Stützpfeiler der Baukonjunktur. Ende September 2021 lagen die Auftragsbestände bei fast 13 Milliarden Euro, eine Steigerung zum Vorjahreswert um fast 20 Prozent. Die Nachfrage nach Wohnraum lässt nicht nach. Bis September wurden gut 282.000 Wohnungen genehmigt, etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.“

Insgesamt gehen die Verbände davon aus, dass der Umsatz im Wohnungsbau in 2021 etwa 55,4 Mrd. Euro erreichen wird, eine Steigerung gegenüber 2020 um nominal zwei Prozent. Für 2022 rechnen sie mit einem weiteren Wachstum auf 59,3 Mrd. Euro, eine Steigerung um nominal sieben Prozent. „Wir halten die Zielvorgabe für ambitioniert, bedeutet sie doch eine schlagartige Erhöhung der jährlichen Baufertigstellungen um etwa 30 Prozent,“ so Quast.

Peter Hübner erklärte dazu: „Es muss daher klar sein, dass neben zusätzlichen personellen Kapazitäten auch neue, etablierte Konzepte und Methoden, wie das serielle und modulare Bauen, notwendig sein werden.“ Hübner sieht darüber hinaus Handlungsbedarf im Hinblick auf den Wegfall der KfW-55-Förderung (siehe Beitrag „Neubauförderung für das Effizienzhaus/-gebäude 55 endet Ende Januar 2022“ vom 21.11.2021), denn die in Planung befindlichen Projekte hätten mit dieser Förderung gerechnet. Auch könne der von der Politik angestrebte KfW-40-Standard noch nicht der Normalfall im Mietwohnungsbau werden.

Die Nachfrage im Wirtschaftsbau war 2021 ausgesprochen volatil und bleibt mit Blick auf die Frühindikatoren Baugenehmigungen und Auftragseingänge ambivalent. „Wir haben zwar von Januar bis September einen starken Zugang an Ordern (+13%) vor allen Dingen im Hochbau gesehen (+18%), aber die Baugenehmigungen zeigen je nach Gebäudetyp ein sehr differenziertes und von Corona gezeichnetes Bild“, so das Fazit der Spitzenverbände.

Erwartungsgemäß liegt das Genehmigungsvolumen (bemessen nach Baukosten) bei Handelsgebäuden um 14% unter dem Vorjahresniveau, wogegen der gestiegene On­line-Handel die Nachfrage nach Lagerflächen stützt, so dass das Genehmigungsvolumen des Vorjahres hier erreicht wird. Die Investitionsbereitschaft aus der Industrie in neue Fabrik- und Werkstattgebäude erreicht per September nicht einmal das schwach ausgeprägte Vorjahresniveau. Auch der Hotel- und Gastronomiebereich zeigt wegen der Corona-Einschränkung weniger Investitionsneigung (-8%).

„Daher rechnen wir für 2021 im Wirtschaftsbau mit einem Umsatz von 50,3 Milliarden Euro (+1% nominal). Für 2022 erwarten wir im Wirtschaftsbau einen Umsatz von 53,3 Milliarden Euro (+6% nominal),“ erklärte der ZDB-Präsident.

Peter Hübner (HDB) betonte: „Wir brauchen eine starke Schiene. Wir unterstützen die im Koalitionsvertrag vorgesehene Bevorzugung der Schiene und gehen davon aus, dass die neue Bundesregierung die bisherigen Planungen zu den steigenden Investitionen bei der Bahn beibehalten wird. Steigende Investitionen bei der Bahn stützen den Wirtschaftstiefbau.“

Hübner appellierte jedoch an die Koalition, den Straßenbau über den Ausbau der Bahn nicht zu vernachlässigen. „Auch E-Autos benötigen Straßen, und sie brauchen vor allem eine vernünftige Ladeinfrastruktur.“

Steigende Ausgaben für Personal und soziale Aufwendungen hätten die Investitionen der Kommunen in Baumaßnahmen eingeschränkt. Der Investitionsstau habe sich bei 150 Mrd. Euro verfestigt. Auch für 2022 gingen die kommunalen Spitzenverbände von einem Rückgang der kommunalen Bauinvestitionen von um fast neun Prozent aus.

Darüber hinaus stellte Herr Hübner fest, dass die Bauwirtschaft sich zu den Klimaschutzzielen im Gebäudebereich bekenne. „Wir sind nicht Teil des Problems, wir sind Teil der Lösung.“ Er forderte einen echten „Sanierungsbooster“ und verwies als mögliche Lösungsbausteine auf ...

  • Smart Home,
  • serielle Sanierungen,
  • integrierte Sanierungsfahrpläne und Einzelmaßnahmen aber auch
  • eine Lebenszyklusbetrachtung sowie
  • weitere Digitalisierungsschritte.

„Die Bauwirtschaft ist vielfältig, innovativ und schafft Generationen überdauernde Projekte. Diese Faszination des Bauens zu vermitteln, ist eine gemeinsame große Zukunftsaufgabe, um im Kampf um Fachkräfte bestehen zu können,“ sind sich die Präsidenten Hübner und Quast einig.

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