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Hauptverband korrigiert Konjunktur-Prognose nach unten

(22.5.2022) Aufgrund des Krieges in Ukraine und angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklungen der geopolitischen Rahmenbedingungen hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zum „Tag der Bauindustrie“ (19. Mai 2022) seine Konjunktur-Prognose für 2022 nach unten korrigiert.

Die Branche erwartet nunmehr für das laufende Jahr bei den realen baugewerblichen Umsätzen im Bauhauptgewerbe eine Entwicklung zwischen Null und -2% (Prognose Ende 2021: +1,5%, siehe Beitrag vom 17.12.2021). Darin ist schon das - vor allem witterungsbedingte - hohe reale Umsatzplus von 9% im Januar und Februar „eingepreist“. Die Prognose steht zudem unter dem Vorbehalt, dass sich im weiteren Jahresverlauf keine weiteren Verschärfungen bei Energiepreisen und dem Bezug von Baumaterial ergeben. Sie ist von daher nur ein Abbild der aktuellen Situation.

„Wir haben ein Problem“

Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Vor fünf Monaten ist der Bau noch mit einem historisch hohen Auftragsbestand in das neue Jahr gestartet. Mit dem Angriffskrieg Putins wurde er zu einem konjunkturellen Fragezeichen. Preissteigerungen und Baumateriallieferanten, die oftmals nur noch Tagespreise abgeben - davon sind über 80 Prozent unserer Mitglieder betroffen. Fakt ist: Wir haben ein Problem. Fehlendes Bitumen für den Straßenbau, fehlende Investitionen durch Preissteigerungen und in letzter Konsequenz eine Konjunktur im Minus, Sie können sicher sein: Das Problem der Bauindustrie betrifft uns alle.“

Ukraine-Umfrage unter Mitgliedsunternehmen


  

Der Hauptverband hat in den letzten Tagen seine dritte Umfrage unter seinen Mitgliedern erhoben. Die Ergebnisse:

  • Neun von zehn Firmen beklagen direkte oder indirekte Auswirkungen des Krieges auf ihr Unternehmen.
  • Die Probleme liegen hauptsächlich bei der mangelnden Verfügbarkeit beziehungsweise den starken Preissteigerungen bei diversen Baumaterialien sowie beim Bruch von Logistikketten.
  • 80% der Unternehmen bezeichnen diese Probleme als stark beziehungsweise sehr stark.
  • 74% beklagen Verzögerungen bei laufenden Bauprojekten.
  • 35% sind von Auftragskündigungen betroffen, nochmal 6% mehr als vor 4 Wochen, und 10% mehr als Anfang März.
  • Mittlerweile 45% antworteten, sich mit dem Auftraggeber auf eine Preisgleitung zu einigen (Vorumfrage: 33%).

Herr Hübner stellte auf dem „Tag der Bauindustrie“ fest: „Der Krieg legt die engen Lieferketten und Abhängigkeiten brutal und schonungslos offen. Wir müssen uns künftig Gedanken darüber machen, welche Rohstoffstrategie wir sowohl in Deutschland als auch in Europa verfolgen wollen. Wichtig ist, dass der Produktionsstandort Deutschland gesichert wird: durch attraktive Energiepreise, Transformationsinvestitionen auch am Bau oder der Vereinfachung des Abbaus von heimischen Rohstoffen. Zum Thema Rohstoffstrategie gehört auch das Thema Recycling. Bei ungefährlichen mineralischen Bauabfällen erreichen wir bereits eine Verwertungsquote von fast 90 Prozent. Wir müssen hier allerdings die Qualität des Recyclings noch erhöhen.“

Image-Studie: Bauindustrie

Weil die Branche nach vorn kommen müsse, so Herr Hübner, brauche sie einen dringenden Innovationsantrieb, einen Schub in die Zukunft. „Denn wir sind die Schlüsselbranche für die großen gesellschaftlichen Themen in diesem Land. Und trotzdem haben wir beispielsweise ein Fachkräfteproblem. Wie werden wir also da draußen gesehen? Wie können wir besser werden?“

Um eine Antwort auf diese Fragen zu erhalten, hat der Verband eine Studie in Auftrag gegeben (Institut für Demoskopie Allensbach). Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 64% der Befragten gaben an, dass die Bauwirtschaft für Deutschland besonders wichtig sei, 2015 haben dies 54% gesagt.
  • 49% gaben an, dass sie der Meinung sind, die Bauwirtschaft hätte gute Zukunftsaussichten. 2015 gaben dies nur 26% an.
  • 60% gaben an, dass die Bauwirtschaft auch in Zukunft sichere Arbeitsplätze bietet.
  • 67% der Bürger halten die Bauwirtschaft für einen attraktiven Arbeitgeber, nur 14% für unattraktiv. Hier ist die junge Generation aber skeptischer.
  • 40% waren der Meinung, dass die Bauwirtschaft für junge Leute, die eine Lehre abgeschlossen haben, interessante und vielseitige berufliche Möglichkeiten bietet, 2007 gaben dies aber noch 56% an. Bei den unter 30-Jährigen gaben dies 2022 nur 34% an.
  • Nur 26% waren der Meinung, dass die Bauwirtschaft für junge Leute, die ein Studium abgeschlossen haben, interessante und vielseitige berufliche Möglichkeiten bietet (2007: 20%). Bei den unter 30-Jährigen gaben dies nur 17% an.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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